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Mutanten |
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Die deutschsprachige Comix-Avantgarde der neunziger Jahre von Christian Gasser Comics. Das waren früher mal Fix & Foxi, Donald Duck, Asterix, Superman und Tim & Struppi - Unterhaltung für die ganze Familie. Dann - in den sechziger Jahren - wurden die Comics erwachsen und reiften, unter anderem durch eine Ausstellung im Louvre (1967) geadelt, zur ernst zu nehmenden und in vielen Ländern (ausser Deutschland) ernst genommenen 9. Kunst. Das Bewusstsein setzte sich durch, dass die Comics eine künstlerische Ausdrucksform des 20. Jahrhunderts sind, die wie der Film Wort und Bild zu einer eigenständigen Erzählweise verknüpfte. Plötzlich waren Comics nicht mehr nur Fix & Foxi und nicht mehr nur kindlich, jugendfrei und kindisch, plötzlich waren jede Geschichte, jede Erzählform und jeder zeichnerische Stil möglich. Comix. Auch 1999 denken viele immer noch an Fix & Foxi, doch heute sind Comix eine künstlerische Ausdrucksform wie jede andere. Sie hat ihren Mainstream, sie hat ihren Underground, sie hat ihre Avantgarde, sie hat ihre Kunst und ihren Kommerz. Alles ist möglich, alles ist erlaubt, nichts wird unversucht gelassen, und möglicherweise sind die Comix zeitgemässer, lebendiger, moderner, bunter, vielfältiger, unverschämter, verrückter und freier als die anderen Kunstformen, da sie an der Schnittstelle von all dem stehen, was in der populären Kultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts möglich und notwendig ist. Das gilt insbesondere für die Comix-Avantgarde der 90er Jahre. Unbeirrbar und unverfroren, selbstsicher und selbstironisch - eine neue Generation von Comix-Zeichnern und -Zeichnerinnen hat in den 90er Jahren den Raum zwischen Schundheft und Kunstgalerie, zwischen High und Low besetzt und unterläuft mit spielerischem Leichtsinn die Gesetze des Marktes wie die Erwartungen des Feuilletons: Sie überwinden die herkömmlichen Comic-Klischees und machen dem Kunstbetrieb die lange Nase, indem sie die Schwerkraft der kulturellen Werte und Wertungen aufheben. Diese post-68er-Generation, die die Pop-Kultur mit der Muttermilch aufgesogen und den Siegeszug der neuen Medien miterlebt hat, schafft Alltagskunst für die 90er Jahre. Sie sind kulturelle Mutanten - sie mutieren Bestehendes zu Neuem; sie stossen offen und neugierig in alle Richtungen vor, sie verwischen die Grenzen zwischen den verschiedenen Bereichen und vermischen ohne Scheu unterschiedliche, auch gegensätzliche Einflüsse und Ausdrucksformen: | |
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Sie zeichnen und publizieren nicht nur Comics, sondern malen auch Bilder und Plakate, machen Siebdrucke, bauen Objekte und Installationen |
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sie nutzen die modernen Medien, arbeiten im Multimedia- und Videobereich |
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sie sind (als Musiker, DJs und Graphiker) eng mit den aktuellen Pop- und Techno-Szenen vernetzt |
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sie haben wenig Berührungsängste mit Illustration und Werbung |
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sie arbeiten als Dozenten an Kunsthochschulen |
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sie stellen ihre Arbeiten nicht nur an Comic-Festivals aus, sondern auch in Galerien und Museen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich. |
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Die deutschsprachige Comic-Avantgarde tummelt sich an der Schnittstelle aller Bereiche unserer Alltagskultur. Die einzelnen Mutanten mögen einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sein - als Künstlergeneration haben sie aber eine bereits beeindruckende und prägende Präsenz in den verschiedensten Bereichen. In ihrem Schaffen spiegelt sich die Gegenwart sehr unmittelbar, und seit der Pop-/Kultur-Diskurs in der Pop-Szene durch deren hemmungslose Kommerzialisierung an Bedeutung verloren hat, ist die Comic-Avantgarde die aufregendste Brutstätte authentischer und unabhängiger Pop-Kultur. Interessant ist ausserdem die Internationalität dieser Szene: Die deutschsprachige Comic-Avantgarde entwickelte sich simultan in Ost- und Westdeutschland und in der Schweiz, und gleichzeitig erlebten die Comic-Szenen in ganz Europa und den USA einen ähnlichen Aufbruch. Das verdeutlicht die globale Bedeutung des Phänomens. Dazu kommt, dass die deutschsprachige Comic-Kultur erstmals in ihrer Geschichte international wahr- und ernstgenommen wird: Die in der Ausstellung Mutanten präsentierten Künstlerinnen und Künstler publizieren in den USA, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, Finnland, Griechenland. Die Ausstellung Mutanten - die deutschsprachige Comix-Avantgarde der neunziger Jahre bringt diese Künstlergeneration zum ersten Mal in einem grossen öffentlichen Event zusammen. Atak - Jim Avignon - M.S. Bastian - Martin Tom Dieck - Hendrik Dorgathen - Christian Farner - Anke Feuchtenberger - Holger Fickelscherer - Markus Huber - Christian Huth - Thomas Ott - Anna Sommer - Henning Wagenbreth | |
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Petra Wenzel und Werner Lippert Sabine Witkowski, geboren 1958 in Niebüll, lebt und arbeitet heute in Basel und Luzern. Studium der Architektur an der Fachhochschule Hamburg, Verlagsleiterin beim Satiremagazin ''Titanic'' (1989-90), Lektorin im Eichborn Verlag (1991-93), Haffmanns Verlag (1993-95); Mitherausgeberin des Comic-Magazins ''Strapazin''; seit 1992 Ausstellungsmacherin und seit 1994 Agentin für Comics-Zeichner; seit 1996 Mitarbeit am Luzerner Comix-Festival Fumetto und seit 1999 dessen Direktorin. Christian Gasser, geboren 1963 in Bern, lebt heute in Basel. Redaktor beim Schweizer Rundfunk DRS3, Mitherausgeber des Comic-Magazins ''Strapazin'' und freier Autor. Features und Hörspiele für den WDR (1999: Mutantenkosmos, Blam! Blam! Kawumm!). 1994 erhielt er den Zürcher Radiopreis, 1997 eine Auszeichnung am Prix Europa, Berlin. Hendrik Dorgathen, 1957 geboren in Mülheim an der Ruhr, Kommunikationsdesign-Studium an der Gesamthochschule Essen, Studien- und Arbeitsaufenthalte in Berlin, Hamburg, New York und Los Angeles, lebt und arbeitet in Mülheim. Hendrik Dorgathen und DIGITAL BOOKS |